Kaltverfahren (CP) Seifenrechnen: SAP-Werte und Laugenkonzentration

Die Chemie der Verseifung für handwerkliche Seifensiederin.

Seifensieden ist die uralte Kunst der Alchemie – aus Fett und Lauge wird reinigende Seife. Auch wenn es sich wie Kochen anfühlt, handelt es sich tatsächlich um eine präzise chemische Reaktion: die Verseifung. Um eine Seife herzustellen, die sowohl wirksam als auch hautverträglich ist, müssen Sie die Mathematik der SAP-Werte und der Laugenkonzentration beherrschen. Eine einzige falsche Messung kann zu einer fettig-schmierigen oder gefährlich ätzenden Seife führen.

Was ist ein SAP-Wert?

Jedes Öl hat einen einzigartigen Verseifungswert (SAP-Wert). Diese Zahl gibt an, wie viele Milligramm Kaliumhydroxid (KOH) benötigt werden, um genau ein Gramm dieses Öls vollständig zu verseifen. Für feste Seife verwenden wir Natriumhydroxid (NaOH) und müssen den Wert daher mit dem Faktor 1,403 umrechnen. Kokosöl hat beispielsweise einen sehr hohen SAP-Wert (~190) und benötigt somit mehr Lauge als Olivenöl (~135). Unser Rechner berücksichtigt diese Werte für Dutzende gängiger Öle.

Die Laugenmenge berechnen

Um die benötigte Laugenmenge zu ermitteln, multiplizieren Sie das Gewicht jedes Öls mit seinem spezifischen NaOH-SAP-Wert. Wenn Ihr Rezept 500 g Olivenöl enthält und der SAP-Wert 0,135 beträgt, benötigen Sie 67,5 g Lauge. Gesamtlauge = (Öl 1 Gewicht × SAP 1) + (Öl 2 Gewicht × SAP 2) ... Gramm-genaues Abwiegen ist unerlässlich. Handwerkliche Seifensiederin verwenden niemals Volumenmaße (Tassen/Löffel), da die Dichte der Öle temperaturabhängig schwankt.

Die Bedeutung der Laugenkonzentration

Die Laugenkonzentration beschreibt das Verhältnis von Lauge zur gesamten Laugenlösung (Lauge + Wasser). Eine Standardkonzentration liegt bei 33 %, was einem Lauge-zu-Wasser-Verhältnis von 1:2 entspricht. Weniger Wasser (höhere Konzentration) beschleunigt den Trace/Spur-Eintritt und verkürzt die Aushärtezeit der fertigen Seife. Allerdings kann eine zu hohe Konzentration dazu führen, dass sich die Seife zu schnell erhitzt, was zu Rissen oder einer unerwünschten Gelphase führen kann.

Die Überfettung einkalkulieren

Beim Kaltverfahren (CP) wird stets eine Überfettung (auch Laugenrabatt genannt) von in der Regel 5 % angewendet. Das bedeutet, wir setzen bewusst 5 % weniger Lauge ein, als die Chemie eigentlich erfordert. Dadurch ist gewährleistet, dass jedes Laugenmolekül vollständig durch Öl neutralisiert wird und die Seife hautverträglich ist. Die unreagiert gebliebenen 5 % Öl verbleiben als Feuchtigkeitsspender in der Seife und verleihen ihr das luxuriöse, lotionsartige Gefühl handgemachter Seife.

FAQ

Kann ich denselben Rechner auch für Flüssigseife verwenden?

Ja, aber Sie müssen die Option KOH (Kaliumhydroxid) auswählen. Die Chemie der Flüssigseife unterscheidet sich leicht und erfordert üblicherweise eine höhere Überfettung oder eine Dual-Laugen-Methode, um beste Klarheit und Schaumbildung zu erzielen.

Was passiert, wenn ich zu viel Lauge verwende?

Bei zu viel Lauge – einer sogenannten laugenreichen Seife – hat die Seife einen hohen pH-Wert und kann chemische Verbrennungen oder starke Hautreizungen verursachen. Testen Sie Ihre fertige Seife nach 4–6 Wochen Aushärtezeit stets mit einem pH-Streifen oder dem Zungentest (Zap-Test).

Wie lagere ich Lauge sicher?

Lauge muss in einem luftdichten, kindergesicherten Kunststoffbehälter an einem kühlen, trockenen Ort aufbewahrt werden. Lauge ist extrem hygroskopisch und absorbiert Luftfeuchtigkeit – in einem offenen Behälter verwandelt sie sich in eine gefährliche Ätzflüssigkeit.